Selbstversorgung durch einen eigenen Garten ist eine sinnvolle aber auch eine nicht ganz einfache Angelegenheit. Häufig steht dem Vorhaben schon ein Problem im Wege, das sich scheinbar nicht durch Einsatz und Ideenreichtum beseitigen lässt. Es fehlt schlicht der Platz im kleinen Garten, um genügend Anbaufläche zu nutzen. Diesem Problem kann aber begegnet werden. Das Zauberwort hier heißt Tiefkultur.

Die Tiefkultur

Die Tiefkulturtechnik ist recht alt und fand einst ihren Weg über China ins Frankreich des 19. Jahrhunderts. In unserem Nachbarland griffen die Pariser Gemüsehändler auf eben diese Technik zurück, die bis zu diesem Zeitpunkt nur in China genutzt worden ist.  Der Grund dafür war ein rein wirtschaftlicher.

Durch Anlegen einer Tiefkultur lässt sich auf der gleichen Fläche bis zu vier mal so viel Ertrag erzielen, wie unter gewöhnlichen Methoden.

Der vierfache Ertrag bei gleicher Fläche. Damit würde es möglich, dass sich ein Gärtner mit nur 100m² weitestgehend selbst mit Gemüse versorgen konnte.

Aber wie soll das möglich sein? Wie soll der Ertrag bei gleicher Fläche vervierfacht werden?

Der Schlüssel liegt im Namen. In dieser Methode wird die dritte Dimension des Gartens noch einmal stärker genutzt.

Als Prepper weiß man diese dritte Dimension, neben Breite und Länge, bereits ganz gut zu nutzen. Gute Prepper-Gärten nutzen die Höhe ihrer Gärten und bepflanzen Fensterbänke, nutzen Wände und so weiter.

Mit dieser Methode nutzen wir auch die Tiefe.

Die ganze Methode lässt sich recht einfach zusammenfassen.

Indem wir den Pflanzen die Möglichkeit geben, sich weiter nach unten auszubreiten, als es sonst der Fall ist, reduzieren wir den Bedarf der Pflanzen, in die Breite zu gehen. Dadurch können wir unser Gemüse etwa um das vierfache enger pflanzen und steigern so unseren Ertrag pro Quadratmeter deutlich. Durch die engere Anlage bilden die Pflanzen zudem ein Mikroklima, wodurch das Wachstum noch einmal gefördert wird.

Anlegen eines Tiefkulturbeetes

Die Anlage eines Tiefkulturbeetes ist etwas aufwändiger als das Anlegen eines normalen Beetes. Der Grund dafür ist, dass wir tiefer graben müssen und es mit dem Umgraben allein nicht getan ist.

Tiefkulturbeete dürfen zudem nicht mehr betreten werden (nie!), nachdem sie einmal angelegt worden sind. Dies rührt daher, dass der Schlüssel zum Erfolg in der lockeren Erde liegt. Den Pflanzen muss es möglich gemacht werden, ohne Mühe sehr tief zu wurzeln.

Da die Beete nicht mehr betreten werden dürfen, müssen sie so angelegt werden, dass sie von den Rändern aus bewirtschaftet werden können. Damit sollte ein Beet, sofern es von beiden Längsseiten zugänglich ist, nicht breiter sein als 3 Meter.

Das ideale Tiefbeet hat eine breite von 1,5m und eine Länge von 6,5m. Die Länge ist jedoch eigentlich egal. Der Wert 6,5m bietet sich lediglich darum an, da das Beet so 10m² groß wird, wodurch sich leicht rechnen lässt. Die Breite ist jedoch, aus genannten Gründen, sehr entscheidend.

Graben und Rigolen

Hast Du also Dein Beet ausgemessen geht es an die eigentliche Anlage und die beginnt, wie so oft, mit Graben und Rigolen.

Tiefkulturbeet rigolenVor dem Umgraben legst Du eine ordentliche Schicht Mist oder Kompost auf das zukünftige Beet.

Im nächsten Schritt hebst Du an einem Ende des Beetes einen Graben aus. Grabe dazu spatentief und wird die Erde auf einen Schubkarren.

Lockere jetzt den Unterboden mit einer Grabegabel. Stich die Gabel dabei tief in die Grabensohle und rüttle daran, bis der Boden vollständig gelockert ist.

Danach geht es an das Rigolen. Hebe dazu einen zweiten Graben hinter dem Ersten aus und fülle die Erde dieses zweiten Grabens in den Ersten. Wiederhole diesen Vorgang bis Du am Ende des Beetes angekommen bist und fülle den letzten Graben dann mit der Erde aus, die Du im Schubkarren hast.

Dies kannst Du für mehrere Beete wiederholen. Vergiss dabei nicht, Wege zwischen den Beeten anzulegen. Das erleichtert Dir zukünftig nicht nur den Zugang, sondern verhindert auch, dass Du aus Versehen das Beet noch einmal betrittst.

Wege legst Du am einfachsten als Kieswege an. Hebe dazu einfach einen etwa zehn Zentimeter tiefen Graben an, der so breit ist, wie Du den Weg benötigst. Fülle diesen Graben dann großzügig mit Kies. Und schon hast Du einen robusten und sogar sehr schicken Weg zwischen Deinen Beeten.

Tiefkultur im Folgejahr

In den Folgejahren kannst Du Deine Erträge stabil hoch halten, wenn Du das Rigolen wiederholst. das ist allerdings nicht zwingend.

Wichtig ist, dass Du Jahr für Jahr, zusätzlich zur Gründüngung neuen Mist oder Kompost auf das Beet aufbringst und den Boden mit einer Gabel lockerst.

Das wird das Beet mit der Zeit wachsen lassen. Ältere Tiefkulturbeete erkennt man daran, dass sie sich deutlich vom Umfeld abheben und eckige Erdhügel bilden.

Willst Du ausdauerndes Gemüse pflanzen, kannst Du selbstredend nicht jedes Jahr umgraben. Daher wird es hier notwendig, bereits bei der Anlage des Beetes für mehrjähriges Gemüse diesem Umstand Rechnung zu tragen. Solche Beete werden dann besonders tief umgegraben. Hier musst Du bis zu drei Spaten tief in die Erde vordringen. Aufwändig, aber dafür musst Du das nur ein mal alle paar Jahre machen.

Säen und Pflanzen

Saen und Pflanzen im DreieckmusterSchon im ersten Jahr kannst Du Deine Tiefkulturbeet bepflanzen und dabei kommen die Vorteile dieser Methode schon voll zum tragen.

Du kannst nun etwa viermal so dicht sähen und Pflanzen, wie gewöhnlich.

Dabei pflanzt Du jedoch nicht in Reihen, sondern in einem Dreiecksmuster. So erhältst Du sehr enge, diagonale Reihen. Die Abstände wählst Du so, dass sich die Blätter der ausgewachsenen pflanzen leicht berühren.

Durch die enge Bepflanzung wird ein Miniklima geschaffen, wodurch auch der Wasserbedarf der Pflanzen reduziert wird. Man kann sagen, dass sich unter den Blättern ein kleines, natürliches Treibhaus bildet.

Pflanzen, die einen schweren Boden benötigen, wie etwa Kohl oder Zwiebeln, pflanzt Du um einiges tiefer in den Boden, als gewöhnlich und presst die Erde in um die Pflanze herum mit den Händen zusammen.

In John Seymours „Selbstversorgung aus dem Garten“ wird diese Methode noch einmal ausführlich vorgestellt. Besonders hilfreich dabei ist, dass er bei jeder Pflanze, sofern relevant, auf Besonderheiten bei der Pflanzung in einer Tiefkultur eingeht.  Von daher ist dieses Buch als weiterführende Literatur zu diesem Artikel sehr zu empfehlen.

 

Obst und Tiefkultur

Mit der Tiefkultur-Methode kannst Du auch Deine Obsterträge steigern und Obstkulturen gemäß dieser Technik anlegen.

Beerensträucher und Zwergobstbäume werden dabei genau so angelegt, wie es beim Gemüse der Fall ist.

Wer Hochstammbäume bevorzugt, legt runde Tiefkulturbeete an. das Beet sollte in etwa so groß sein, wie die Baumkrone des ausgewachsenen Baumes. Dieser Kreis wird etwa zwei Spaten tief ausgehoben und die Sohle mit der Gabel gelockert.  Die Mitte wird vier Spaten tief ausgehoben und der Baum dann wie üblich gesetzt.

 

Fazit

Die Tiefkultur ist die optimale Methode für alle, die aus wenig Land wirklich viel Ertrag heraus holen wollen. Damit wird sie zur perfekten Methode für Prepper, die darauf angewiesen sind, sich in ihrem Garten auf kleinem Raum zu ernähren.

Aber auch wer keinen garten hat, kann solche Tiefkulturen simulieren. Zusätzliche Tiefe lässt sich auch bei der Wahl der richtigen Pflanzkübel gewinnen.  Diese sollten einfach etwas höher gewählt werden, als eigentlich üblich und schon lädt man die Pflanzen dazu ein, mehr Tiefe statt Breite zu suchen.

 

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