In der vergangenen Woche durften wir mit dem österreichischen Survival Experten Reinhard „Reini“ Rossmann sprechen, der dem einen oder anderen unter Euch sicherlich ein begriff sein wird. Wir haben Ihm dabei Fragen zum Thema Survival, zu seinem Fachgebiet der Pflanzenkunde aber auch zum Thema Prepping gestellt. Was wir erhalten haben, waren nützliche und kluge Antworten.

 

Du giltst ja nun als absoluter Survival Experte. Wie lange befasst Du Dich schon mit Survival?

Ich bin sicher nicht absolut. Und eine Experte ist jeder, der sich intensiv mit einem Thema in Theorie und Praxis beschäftigt. Wenn Du dieser Definition zustimmst, dann bin ich ein Survival Experte.

Wie lange ist schwer zu sagen. Doch in dieser Intensität seit nun mehr 11 Jahren.

 

Wie kamst Du dazu?

Seit meiner frühsten Kindheit bin ich mit der Natur verbunden. Doch Survival als solches ist mir als Pfadfinder mit dem Buch „Survival“ von Nehberg untergekommen. Ich habe es rauf und runter gelesen.

Das waren die Anfänge.

 

Welchen Stellenwert nimmt das Thema in Deinem Leben ein?

Es ist meine Mission, mein Lebenselixier und ich kann mir nichts Anderes vorstellen.

Survival ist kein Kampf mit der Natur sondern besonders eine Auseinandersetzung mit Dir selbst. Positiv bleiben ist der Schlüssel.

Dein Interesse liegt ja auf der Pflanzenwelt und deren Rolle im Survival – warum gerade dieser Schwerpunkt?

Ob wir Menschen es wahrnehmen oder nicht – ohne Pflanzen ist ein Überleben nicht möglich. Auch nicht in der Zivilisation. Unsere Nahrung ist auf Pflanzen aufgebaut.

Vor 150 Jahren war der Großteil der Gebrauchsgegenstände aus Pflanzen. Das hat sich durch den Einsatz von Kunststoffen heute deutlich reduziert und so die wahrnehmbare Wichtigkeit von Pflanzen in unserem Leben reduziert.

Doch wer wieder ein einfacheres Leben führen will oder muss, wird an Pflanzen nicht vorbei kommen.
Es ist einfach eine Kernkompetenz des Mensch mit Pflanzen umgehen zu können.

 

Welche Pflanzen sollte jeder unserer Leser kennen und zu nutzen wissen? 

Eine schwere Frage die davon abhängt in welche Survival Situation man kommt.

Wenn es um Nahrung geht dann:

Die große Klette, denn die Pfahlwurzel ist das ganze Jahr über eine energiereiche Nahrungsquelle

Wenn es um Feuermachen geht:

Birke, Kiefer und weiche Hölzer wie die Weide. Alle brennen sehr gut an und helfen Dir ein Feuer zu entzünden, wenn es regnet und nass ist.

 

Welche Fähigkeiten und welches Wissen würdest du als die fünf wichtigsten im Survival beschreiben?

Eine schwere Frage. Doch es muss unterschieden werden was Survival für einen selbst bedeutet. Notfall Survival in der Natur hat andere Spielregeln als ein Langzeit-Survival in der Wildnis oder gar Urban Survival in der Krise.

Wer in der Natur überleben will braucht meiner Meinung nach folgende 5 Fertigkeiten:

  1. Feuer machen
  2. Gefahren in der Natur kennen und richtig reagieren können
  3. Wasser sicher trinkbar machen
  4. Pflanzenwissen rund um Nahrung und Medizin
  5. im Langzeit Survival ist das Thema Fallenstellen äußerst wichtig.

Prepping ist Vorbereiten. Es beginnt da wo das blinde Vertrauen, dass Jemand anderes für mich in einer Katastrophe sorgen wird, endet.

 

Du befasst Dich ja auch mit dem Thema Prepping – richtig? Wie würdest du deine Motivation, deinen Antrieb dazu beschreiben?

Unsere Zivilisation ist verwundbar, das ist klar. Dazu braucht man nicht auf DMAX Prepper Serien ansehen. Unsere Zivilisation basiert auf elektrischen Strom. Ein mittelfristiger Ausfall ist fatal. Dazu gibt es genug Beispiel in der Vergangenheit.

Dennoch ist Prepping ist negativ behaftetes Wort. Prepper sind in der öffentlichen Meinung ist Spinner, die vorm Weltuntergang Angst haben.

Ich halte es mit Zivilschutz. Und Zivilschutz ist ein staatliches Programm. Meine Motivation ist, dass immer Etwas passieren kann. Es gibt immer einen Fall wo Vorräte und/oder ein Fluchtgepäck sinnvoll sein können.

 

Wie würdest Du das definieren – wo beginnt Prepping?

Prepping ist Vorbereiten. Es beginnt da wo das blinde Vertrauen, dass Jemand anderes für mich in einer Katastrophe sorgen wird, endet. Es beginnt dort, wo Bewusstsein für Gefahren entsteht.
Prepping ist das neumoderne Wort für Zivilschutz.

 

Und ab wann übertreibt man es?

Schwer zu sagen, denn das hängt vom Menschen ab. Eigenartig wird es, wenn man an Nichts anderes als Preppen denken kann. Auch Angst vorm Leben sind Zeichen, dass etwas nicht gerade läuft

Man soll ja nicht darüber reden aber…Was tust Du selbst in diesem Bereich?

Ich habe Lebensmittel und Wasser für 3 Wochen zu Hause.

Darüber kann man auch reden. Sollte man auch um anderen Menschen klar zu machen, dass das normal ist. Im Gegenteil ist es nicht normal keinen Notvorrat zu besitzen. Würden unsere Vorfahren uns beim Umgang mit Gefahren betrachten können, ich bin mir sicher sie würden uns als verrückt ansehen.

 

Für wie wahrscheinlich hältst Du es, einmal Dein Wissen und Deine Fähigkeiten nutzen zu müssen, weil es sonst keinen anderen Weg mehr gäbe, zu überleben?

Ich bin kein Prophet oder Hellseher. Ich kann die Zukunft genauso gut prognostizieren wie ein Wetterfrosch. Also nur nach Gefühl gehen. Und ich denke, dass jede Gesellschaft immer eine Wandlung durchschreiten muss. Ich glaube, dass die Zeit des ewigen Wachstum ein Ende finden wird und damit selbstverständlich gewordene Verhaltesmuster des Einzelnen geändert werden müssen. Hoffen wir, dass die Wandlung in einer Evolution erfolgen wird und nicht in einer Revolution.

 

Die Survival und Prepping Szene in DE ist ja verhältnismäßig klein. Teilst Du meine Einschätzung, dass das Interesse recht schnell zunimmt?

Ja, das spürt man deutlich.

 

Für ganz unbedarfte, wie steigt man deiner Meinung nach am besten in die Themen Survival & Prepping ein?

Indem sie zuerst in der Realität bleiben. Im Wald für den Rest seines Lebens als Einsiedler leben wie es im TV zu sehen ist mag romantisch und einfach klingen, doch das wird in der Realität nicht machbar sein. Zumindest nicht in Mitteleuropa.

Es braucht einen „krisensicheren“ Haushalt mit Vorräten und ein Fluchtgepäck für Notfälle. So wie es in den staatlichen Zivilschutzbroschüren zu lesen ist.

Ich habe dazu ein Video gemacht, dass die Realiität von Fluchtsituationen beschreibt.

 

Wenn man nach Dir im Internet sucht, findet man viele verschiedene Projekte, die von Dir betreut werden. Was ist denn nun Deine wichtigste Seite? Also die, von der Du sagen würdest „Wer mich kennenlernen und etwas über meine Themen erfahren will, ruft am besten zuerst diese auf? 

Ich habe Online Käuterausbildungen, Survival Mentoring Programme und natürlich eine Meneg Live-Kurse. Wenn Du aber anfangen willst und ohne viel Geld eine gute Basis suchst, dann sind meine 600 Survival Tipps wahrscheinlich das Richtige für Dich.

Noch einen letzten Rat für unsere Leser?

Survival ist kein Kampf mit der Natur sondern besonders eine Ausseinandersetzung mit Dir selbst. Positiv bleiben ist der Schlüssel.

 

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