Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Fähigkeiten, die Du lernen kannst, um Dich in der Wildnis durchzuschlagen. Ich habe lange mit mir gerungen, wie lang diese Liste sein sollte und kam, wie ich finde, zu einem akzeptablen Kompromiss. Hier sind also meine sechs wichtigsten Fähigkeiten, die Du besser erlernen solltest, bevor Du Dich in der Natur verläufst.

 

Es sind nicht die einzigen Fähigkeiten, die Du in der Wildnis brauchst, aber sie bilden eine wichtige Grundlage. So habe ich beispielsweise die Orientierung außen vorgelassen. Es ist eine brauchbare Fähigkeit, allerdings nicht so entscheidend wie die sechs folgenden.

Zwar ist es in den meisten Fällen sinnvoll, an Ort und Stelle zu bleiben und auf Hilfe zu warten, aber würde ich eine Liste der sieben wichtigsten Fähigkeiten erstellen, wäre diese mit dabei. Denn solltest Du tatsächlich durch eine fremde Wildnis laufen, ist die Orientierung ungemein wichtig. Allerdings fehlt jede Stunde, die Du lernst Dich zu orientieren, beim Erlernen all der Fähigkeiten, die Dich erstmal am Leben erhalten.

Ich persönlich würde daher lieber erstmal die unten genannten Sachen gelernt haben, bevor ich mich mit anderen nützlichen Dingen wie Orientierung oder Identifizierung von Pflanzen befasse. Orientierung gehört zu den Dingen, die Du brauchst, wenn Du Dich ohne Not in der Natur bewegst. Überlebenswichtig wird sie erst, wenn Du Mist gebaut hast und Dich verlaufen hast – also schlecht orientiert hast. Damit sage ich nicht, dass Du es nicht lernen solltest – im Gegenteil! Nur bringt es Dir nichts zu wissen, wie Du in drei Tage aus dem Wald herausfindest, wenn Du in der ersten Nacht draufgehst. Also erstmal die sechs folgenden Fähigkeiten erlernen und mit dieser Grundlage dann weitere Sachen wie Orientierung oder Seil knüpfen trainieren.

Natürlich kann jede Notsituation nochmal spezielle Fähigkeiten erfordern – und wenn Du verschollen bist und es seltsamerweise keiner weiß, wirst Du Dich natürlich selbst orientieren müssen. Falls Du weißt, auf was Du Dich vorbereiten musst, solltest Du diese Liste Deiner speziellen Lage anpassen.

Selbstverständlich könnte jede einzelne Fähigkeit ganze Bücher füllen, weshalb ich nur kurz meine Wahl begründe und ein paar Beispiele gebe, um den Stein ins Rollen zu bringen.

 

Für diese sechs Fähigkeiten, auf die Du Dich zuerst konzentrieren solltest, wirst Du auch Dein Notfall-Set (bugout bag) und EDC (Every Day Carry) brauchen:

 

  • Feuer machen
  • Trinkwasser
  • Unterkunft (Wetterschutz)
  • Essen
  • Erste Hilfe
  • Signal absetzen

 

Feuer machen

Die vielleicht wichtigste Fähigkeit ist das Feuer machen. Es können natürlich auch andere Fähigkeiten von Fall zu Fall wichtiger sein, doch das Feuer machen ist wohl im Allgemeinen die wichtigste.

Mit einem Feuer kannst Du Dich warm halten, Wasser abkochen, in der Dunkelheit sehen, Essen kochen, ein Signal absetzen, Werkzeuge herstellen, Deine medizinische Ausrüstung sterilisieren und Dich selbst vor Ungeziefer schützen. Hinzu kommt noch, dass ein Feuer auch einen psychologischen Vorteil verschafft und vermutlich die männlichste von all diesen Fähigkeit ist.

Mindestens drei Möglichkeiten Feuer zu machen, solltest Du erlernen. Falls Du schon weißt, in welche Gegend es Dich verschlagen wird, solltest Du schauen, wie die Menschen vor Ort Feuer machen. Die besten Ratgeber sind immer die Eingeborenen, die seit Generationen die Gegend kennen. Das gilt im übrigen für fast alle hier besprochenen Fähigkeiten – vom Signal absetzen vielleicht abgesehen.

Einen großen und wichtigen Anteil am Feuer machen hat bereits die Vorbereitung. Dein Feuerplatz und die Materialien werden dafür sorgen, dass Dein Feuer sich nicht nur entzündet, sondern auch tatsächlichen längere Zeit brennen wird. Du solltest lernen wie ein Lagerfeuer aufgebaut wird und welche Materialien Du zum entfachen, vergrößern und erhalten brauchst. Ohne diesen Teil wird es Dir nichts bringen zu wissen, wie der Funke überspringt.

 

Die erste Variante bezieht sich auf Deine mitgebrachte Ausrüstung. Im besten Fall hast Du ein Notfall-Set oder Dein EDC dabei. Ansonsten solltest Du wenigstens ein Feuerzeug dabei haben. Sturmfeuerzeuge sind hier gegenüber normalen Feuerzeugen zu bevorzugen – den Grund kannst Du Dir sicherlich denken. Ebenso brauchbar ist ein Feuerstahl (Metallstab mit Magnesium, um kleine Späne abzuschaben). Und für alle Fälle kannst Du auch noch ein billiges Feuerzeug als Ersatz einpacken.

Feuer machen mit Feuerstahl

In diesem Video siehst Du, wie man mit Feuerstahl ein Feuer entfacht:

 

 

Mindestens zwei weitere Varianten, ein Feuer zu entfachen, solltest Du allerdings noch lernen. Da ich nunmal nicht weiß, in welcher Situation Du ein Feuer machen musst, schlage ich zwei Varianten vor, wie Du ohne Feuerzeug und Feuerstahl ein Lagerfeuer entfachst. Zum Einen mit einem Bogen und zum Anderen mit einem Handbohrer.

Feuer machen mit Bogen

Hier wird gezeigt, wie Du mit einem Bogen Feuer machst:

 

 

Feuer machen mit Handbohrer

Und hier das Video zum Handbohrer:

 

 

Eine preiswerte Fresnellinse sollte auch ein unbedingter Bestandteil Deiner Ausrüstung sein. So leicht und dünn wie ein Blatt Papier ist eine sehr bequeme Art, mittels Sonnenlicht ein Feuer zu entzünden.

Trinkwasser gewinnen

Als nächstes befassen wir uns mit dem Trinkwasser. Je nach Lage kann diese Fähigkeit auch wichtiger sein, als Feuer zu machen. Allgemein hältst Du zwei bis drei Tage ohne Wasser durch, allerdings beginnt Deine Leistungsfähigkeit bereits sehr viel früher zu sinken. Deshalb solltest Du anfangen, über Deine Wasserversorgung nachzudenken, sobald Du bemerkt hast, dass Du überhaupt in der Klemme steckst.

 

Ich persönlich habe einen Swayer Mini Water Filter in mein Notfall-Set gepackt, obwohl viele Menschen den LifeStraw Filter verwenden. Am besten schaust Du Dir beide mal an. Neben dem Notfall-Set habe ich diese handlichen, kleinen Filter auch in meinem Auto und an anderen Stellen deponiert – man weiß ja nie!

 

Wenn Du die Möglichkeit hast, Dein Wasser abzukochen, dann solltest Du das auf jeden Fall tun. Es ist zwar keine 100prozentige Lösung, aber ziemlich nah dran. Falls Du jedoch keinen Behälter hast, den Du ins Feuer stellen kannst (falls Du z.B. ein Gefäß aus Holz verwenden musst), hilft es auch, Steine erst ins Feuer und dann in das Wasser zu legen.

 

 

Mit einer herkömmlichen Plastiktüte kannst Du auch Wasser von den Pflanzen sammeln.

 

 

Mit etwas mehr Arbeit ist es auch möglich, eine Sonnendestille zu bauen. Dabei wird das verdunstete und somit gereinigte Wasser aufgesammelt.

 

 

 

Unterkunft (Wetterschutz)

Falls Du kein Zelt haben solltest, brauchst Du zumindest eine Plane. Allerdings solltest Du Dir wirklich ein Zelt besorgen. Die besten Entwicklungen passen bereits ohne Probleme in Dein Notfall-Set.

Hast Du beides nicht zur Hand, solltest Du lernen, aus dem Material vor Ort einen Unterschlupf zu bauen. Du brauchst dafür nicht allzu viel Zeit – solange das Material brauchbar ist, was z.B. im Wald meistens der Fall ist. Allerdings halten sie keinen größeren Stürmen stand.

Nahrung finden

Wenn das Feuer brennt, Deine Wasserversorgung gesichert ist und Deine Unterkunft steht, wird sich sicherlich Dein Magen bemerkbar machen. Generell kannst Du natürlich fast einen Monat ohne Essen überleben. Aber neben dem unangenehmen Hungergefühl nimmt auch Deine Leistungsfähigkeit stetig ab, während Deine Anfälligkeit für Fehler ansteigt. Ein hungernder Mensch ist kein großer Denker.

Im besten Fall hast Du ein paar professionelle Fertiggerichte (MRE – Meals Ready to Eat) je nach Geschmack dabei – oder wenigstens eine kleine Notfallration. Ich packe darüber hinaus auch immer eine kleine Packung Olivenöl ein. Einerseits sind das unschlagbar viele Kalorien pro Milliliter und andererseits kann man es auch für viele andere Sachen gebrauchen.

Für den Fall, dass Du kein Essen bei Dir hast, musst Du natürlich welches suchen. In der Nähe von Gewässern ist es am besten auf Fischfang zu gehen. Dabei kannst Du mit einiger Geschicklichkeit und dem passenden Material eine Angel bauen und anschließenden noch einen Köder suchen. In den meistens Fällen ist es jedoch notwendig – und auch einfacher – mittels eines geflochtenen Korbes Fische zu fangen.

Fischen

Hier siehst Du, wie ein Korb aus Kletterpflanzen gemacht wird:

 

 

Fallen stellen

Für kleinere Tiere eignet sich eine Zugfalle besonders gut. Sie sind nicht schwer zu bauen, funktionieren gut, wenn sie entsprechend platziert sind und Du wirst in den meisten Fällen die nötigen Materialien dazu finden. Zum Erlernen musst Du es allerdings ein paar mal ausprobieren, um die einzelnen Bestandteile in ihrer Funktion zu verstehen. Am besten suchst Du in Deiner Nähe nach Stellen, an denen kleine Tiere oft vorbeikommen und probierst es erstmal aus. Du kannst auch mit Steinen und ähnlichem künstlich verengte Wege anlegen, um die Laufwege der Tiere zu kanalisieren.

 

 

Vor allem solltest Du Dich mit den Pflanzen und Tieren vertraut machen, die für Dich essbar sind. Manche verweisen hierbei auf den universellen Essbarkeitstest, allerdings halte ich diesen größtenteils für wenig geeignet. Du solltest nichts essen, das Du nicht kennst.

 

 

 

Erste Hilfe

Gut vorbereitet hast Du natürlich auch einen Erste-Hilfe-Kasten eingepackt. Aber selbst wenn, solltest Du auch wissen, diesen richtig zu benutzen. Ich empfehle daher einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen – falls Du ein Autofahrer bist, hast Du bereits einen absolviert, solltest aber Deine Erinnerungen immer mal wieder auffrischen. Wenn Du dafür keine Zeit oder Lust hast, besorge Dir zumindest ein Buch zu dem Thema (und fange nicht erst mit dem Lesen an, wenn Du bereits das Bein gebrochen hast oder Deine Wunde stillen musst).

Wunden säubern und schließen

Als erstes solltest Du wissen, wie man Wunden schließt und sauber hält, wie Brüche gerichtet und fixiert werden und wie Schocks, Unterkühlung und Hitzeschlag erkannt und behandelt werden. Aber wenn möglich solltest Du noch weitere Sachen lernen – Du kannst nie zu viel wissen.

 

Signale absetzen

Falls Du Dich in der Wildnis verlaufen hast oder mit dem Auto liegen geblieben bist, warst Du hoffentlich so schlau, vorher jemanden von Deinen Plänen zu erzählen. Möglicherweise bist Du auch mit einem Flugzeug abgestürzt oder ähnliches. In all diesen Fällen ist es am sinnvollsten an Ort und Stelle auf Rettungskräfte zu warten. Damit ist aber noch nicht gesichert, dass sie Dich auch finden werden. Du brauchst also eine Möglichkeit auf Dich aufmerksam zu machen.

 

Hierbei ist es wichtig, dass Du oder Deine Situation erkennbar ist. Wenn Du selbst nicht im Freien bleiben kannst, lege Zeichen die dort bleiben. Dabei geht es darum Muster zu legen, die sich von der Umgebung durch ihren künstlichen Charakter abheben. Zum Beispiel eine Gruppe gleicher Gegenstände in einer speziellen Anordnung (drei Hölzer zu einem Dreieck gelegt, ein Kreis aus Steinen, etc.).

 

Du kannst auch in Betracht ziehen, ein solches Rettungssymbol in Deine Jacke oder Zeltplane einzunähen (z.B. ein rotes Kreuz auf weißem Grund oder ähnliches).

 

Falls Du einen Amateurfunk in Deiner Ausrüstung hast, benutze 156,8 Mhz oder 2182kHz (internationale Notruffrequenz) zur halben und vollen Stunde oder wenn Du jemanden siehst. Suche einen möglichst hohen Standpunkt dafür, um die Reichweite zu steigern. Das BoaFeng UV-5R ist sehr preiswert und verfügt über Frequenzen, für die Du keine Lizenzen brauchst.

 

Da die meisten Rettungskräfte mit Flugzeugen und ähnlichem nach Dir suchen, ist es auch praktisch, einen kleinen Spiegel dabei zu haben. Damit kannst am Tage auch über große Entfernungen auf Dich aufmerksam machen. Da er nicht viel Platz braucht, sollte er auch in Deinem Notfall-Set vorhanden sein.

 

 

Wenn Du bereits Feuer gemacht hast, kannst Du auch ein Signalfeuer vorbereiten. Suche Dir eine geeignete, weil gut sichtbare Stelle und sorge dafür, dass Du die Feuerstelle schnell entzünden kannst sobald Du die Rettungskräfte siehst oder hörst.

 

Es gibt eine Menge von Dingen, die Dir helfen, wenn Du irgendwo im nirgendwo strandest – entscheidend ist, sich vorher darauf vorzubereiten. Selbst wenn Du keine Ausrüstung dabei hast (wenigstens Feuerzeug, Messer und Taschenlampe solltest Du immer dabei haben), kannst Du mit dem richtigen Wissen und den nötigen Fähigkeiten ohne weiteres überleben. Wenn Du gerne Sachen recherchierst und nachliest, ist ein solcher Artikel zwar nur ein Anfang, aber mit der entsprechenden Fachliteratur kannst Du Deine Wissen weiter ausbauen. Hier findet sich eine stattliche Auswahl.

Noch keine Kommentare

Kommentieren

*