Die letzten Tage und Wochen rauschte ein Thema durch den deutschen Blätterwald: Die Bundesregierung arbeite an einem neuen Sicherheitskonzept im Bereich Zivile Verteidigung und Zivilschutz. Die darin enthaltenen Empfehlungen zum Anlegen eines Lebensmittelvorrats wurden von vielen Kommentatoren und Oppositionspolitikern als „Hamsterkäufe“ bezeichnet und als eine auf Ängsten basierende Wahlkampfstrategie verurteilt. Grund genug für mich das Thema einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

 

Wie neu ist das Konzept?

Der Vorwurf, es könnte sich um Wahlkampf handeln, ist sicherlich etwas weit hergeholt, denn auch das Konzept ist „weit hergeholt“. So existiert das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) bereits seit 2004 – als Bundesamt für Zivilschutz aber schon sehr viel länger. Grund für die Neugliederung waren die Anschläge des 11. Septembers 2001 sowie die schlechte Zusammenarbeit von Bundesländern bei der Elbe-Flut von 2002.

Ein Konzept für den Zivilschutz gibt es ebenfalls schon seit geraumer Zeit. Das Konzept wurde 1995 zuletzt überarbeitet, weshalb sich auch alle einig waren, es an die gegebenen Umstände anzupassen. Der Bundestag gab die Überarbeitung bereits 2012 in Auftrag – ich kann nur hoffen, dass sich die Arbeitsgeschwindigkeit des Innenministeriums im Ernstfall erhöhen wird. Auf jeden Fall ist ein großer Teil der Aufregung der letzten Tage unbegründet.

Neben vielen Beschlüssen, die von staatlicher Seite erledigt werden, wie z.B. eine schnelle Mobilisierung des Technischen Hilfswerkes, Impfstoffvorräte, Notstrom, ABC-Abwehr, etc., wird auch die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich selbst vorzubereiten.

Dazu gehören Lebensmittelvorräte, die für zehn Tage reichen und Trinkwasser für fünf Tage (2 Liter pro Tag ergeben einen Vorrat von 10 Liter). Bei der Präsentation wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass es bereits Empfehlungen BBK gibt, die darüber hinausreichen und einen Vorrat von 2 Wochen für Wasser und Lebensmitteln empfiehlt.

Was viele von Euch interessieren dürfte, ist eine Entwicklung dieses Bundesamtes, die 2015 in Betrieb genommen wurde. Die sogenannte Warn-App NINA („Notfall-Informations- und Nachrichten-App“) informiert auf Deinem Smartphone über alle offiziellen Informationen in Bezug auf die Sicherheitslage. Diese Informationen erhaltet Ihr auch auf der Internetseite http://warnung.bund.de/. Offizielle Meldungen mit der Presse und anderen Informationsquellen zu vergleichen, kann durchaus hilfreich sein.

 

Was empfiehlt das BBK zur Vorsorge?

checkliste-katastrophenschutzAuf der Internetseite des BBK sind die Empfehlungen veröffentlicht. Die Broschüre mit dem eingängigen Titel „Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen – Meine persönliche Checkliste“ kannst Du hier herunterladen.

Gehen wir die Liste doch einmal gemeinsam durch.

Grundsätzlich fällt auf, dass sich die Broschüre größtenteils um die Notfallvorsorge dreht – im eigenen Zuhause und für Gebrauch außerhalb (Notfall-Set oder „Bug Out Bag“). Zum Thema „richtiges Handeln“ gibt die Broschüre lediglich Hinweise, wie und wen man telefonisch kontaktieren sollte. Doch dazu später mehr.

 

Lebensmittelvorrat

Was gehört also nach offizieller Meinung in Deine Vorratskammer? Es wird allgemein angeraten, einen Vorrat für 14 Tage einzulagern. Dazu gehören 28 Liter Wasser, wovon auch der Bedarf zum kochen und ähnliches inbegriffen sein soll. Bei einer sparsamen Handhabung ist es sicherlich möglich, mit dieser Menge über die Runden zu kommen. Allerdings habe in einem Artikel darauf hingewiesen, dass es ratsam ist, sich im Ernstfall um eine nachhaltige Wasserversorgung umzusehen, damit Du nicht von Vorräten abhängig bist.

Die weiteren Lebensmittel sind ausreichend bemessen. Als Grundlage dient hierbei ein täglicher Bedarf von 2.200 kcal pro Tag und Person, was ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht. Hinzufügen würde ich lediglich, dass die empfohlene Menge an Fetten und Ölen von einem Pfund (0,5kg) vielleicht erhöht werden sollte, da vor allem Öl neben der Nahrungsaufnahme noch sehr nützlich für andere Sachen sein kann.

Der vorangestellte Ratschlag, Diät-Vorschriften und Allergien bei der Vorsorge zu beachten, ist durchaus sinnvoll, doch zusätzlich noch auf die „eigenen Vorlieben“ zu achten, scheint für die Notfall-Vorbereitung weniger notwendig. Diese Kritik bezieht sich auch auf den letzten Punkt „Sonstiges nach Belieben“, unter dem sinnlose Sachen wie Schokolade aber auch notwendige Sachen stehen. So findet sich erst an dieser ansonsten zu vernachlässigenden Stelle der Hinweis, Salz einzulagern.

 

Notfallausrüstung (Checkliste)

Neben dem „Grundvorrat“ an Wasser und Lebensmitteln bieten die Checkliste noch sieben weitere Punkte an.

 

Hausapotheke:

Hier ist alles aufgeführt, um einfache Erkrankungen zu behandeln und Wunden zu stillen. Hier würde ich nur noch meinen Ratschlag wiederholen, soviel wie möglich über Erste Hilfe und andere medizinische Fähigkeiten zu lernen – sprich: Du musst eine Infektion auch erkennen, bevor Du sie richtig behandelst.

 

Hygieneartikel:

Hier sind viele unnütze Sachen aufgeführt. Sinnvoll erscheinen mir nur Seife, Zahnbürste, Zahnpasta, Klopapier, Desinfektionsmittel. Nicht notwendig erscheinen mir hingegen Waschmittel, Haushaltspapier, Müllbeutel, Campingtoilette und Ersatzbeutel, Haushaltshandschuhe und Schmierseife. Warum man dazu noch ein Set Einweggeschirr und Becher bunkern soll, entzieht sich komplett meiner Logik. Nicht dass es nachteilig wäre, all diese Dinge zur Verfügung zu haben, aber Du kannst eben auch ohne sie überleben und sparst so Raum für wichtigeres.

 

Brandschutz:

Die aufgezählten Sachen und Geräte sollten in jedem Fall bereits vorhanden sein, vor allem wenn Du in einem eigenen Haus wohnst. Etwas schmunzeln musste ich, dass der Punkt nach „Behälter für Löschwasser“ „Wassereimer“ heißt – aber mit ersterem sind natürlich Regentonnen u.ä. Gemeint.

 

Energieausfall:

Hier finden sich alle nützlichen Dinge, die Dir Licht und Feuer ermöglichen. Ein absolut wichtiger Punkt für alle Prepper!

Dokumentensicherung:

Das ist ein durchaus wichtiger Punkt und die wichtigsten Dokumente sollten in (beglaubigten) Kopien auch in Eurem Notfall-Plan abgeheftet sein (mehr dazu hier).

 

Notgepäck:

Ein Notfall-Set oder Bug Out Bag wurde auf diesem Blog schon oft erwähnt und stellt ein unverzichtbaren Teil einer Vorbereitung auf den Ernstfall dar. Lediglich die Punkte „Kopfbedeckung, Schutzhelm“ sowie „Arbeitshandschuhe“ halte ich für nicht unbedingt überlebenswichtig – gleichwohl es angenehm ist, auf sie zurückgreifen zu können.

 

Rundfunkgerät:

Der Punkt klingt ein wenig nach GEZ, ist aber gar nicht so unbrauchbar. Im Falle einer Katastrophe wird es sicherlich wichtig sein, sich mit Informationen der Außenwelt, so es sie denn gibt, zu versorgen. Allerdings wird dies auch mit einem Mobiltelefon zu bewerkstelligen sein, das ich bereits an anderer Stelle angeraten habe.

 

Wichtige Rufnummern

Wie ich oben erwähnte, befasst sich die Broschüre sehr wenig mit dem angekündigten „richtigen Handeln in Notsituationen“. Die letzte Seite ist diesem Thema gewidmet, enthält allerdings nur das Kontaktieren von Rettungskräften. Dieser Punkt ist natürlich sehr wichtig und in Eurem Notfall-Plan sollten in jedem Fall eine Liste wichtiger Kontaktadressen u.ä. abgeheftet sein. Die Handlungshinweise beim Notruf enthalten die wichtigen Punkte:

  • Wer ruft an?
  • Wo ist etwas geschehen?
  • Was ist geschehen?
  • Wie viele Verletzte?
  • Welcher Art?
  • Warten auf Rückfragen!

 

Zusammenfassung

Die meisten der angebotenen Informationen zum Zivilschutz sind hilfreiche Hinweise, wie man sich auf einen Ernstfall vorbereiten kann. Allerdings fehlen dabei auch wichtige Punkte. So fokussieren sich die Empfehlungen eben nur auf die materielle Vorbereitung, obwohl das nur ein Teil einer sinnvollen Vorbereitung ist.

Es ist mindestens ebenso wichtig, das notwendige Wissen zu lernen und sich mit grundlegenden Fähigkeiten vertraut zu machen, die Dein Überleben sichern können. An einigen Stellen scheinen die Empfehlungen auch etwas biedermeierlich. So kann ich mir zum Beispiel niemanden vorstellen, der während einer Katastrophe unbedingt seine Wohnung putzen will und deshalb froh ist, ein Paar Haushaltshandschuhe eingepackt zu haben.

Für den Anfang sind die Empfehlungen nicht schlecht, doch Ihr solltet noch darüber hinaus gehen, um Euch wirklich effizient gegen mögliche Notfälle zu wappnen.

 

Titelbild: CC wikipedia.org

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